Von Jim Procanik, 10. Oktober 2001
Ich wurde 1987 in die ICC aufgenommen, als ich ein Student am Berklee College in Boston war, und verließ die Gruppe im November 2000. Ich zog nach Los Angeles in 1989, zur gleichen Zeit, als Kip von Boston nach L.A. zog. Obwohl ich niemals für die Kirche arbeitete, war ich immer in der Nähe von entweder Kip oder Al Baird oder beiden. Ich sage dies nur, um zu betonen, daß das, was ich in der Gruppe erlebte, mit dem übereinstimmt, was die oberste Führung lehrte und ausübte.
Die meistgebrauchte Antwort auf Anschuldigungen von Mißbrauch in der ICC ist "Nun, das ist nicht meine Erfahrung". Laß mich versichern, daß dies nur wahr sein kann, wenn jemand erst kurze Zeit Mitglied ist. Die meisten Mißbräuche und Lehren sind sehr leicht zu sehen, und werden entweder direkt selbst erlebt, oder von anderen um einen herum. Es ist klassische Verleugnung, die dazu führt, daß viele Leute die Mißbräuche und Heuchelei entschuldigen, die die meisten Mitglieder oft sehen.
Während ich in der Gruppe war, war ich in die Leitung in der einen oder anderen Form verwickelt. Ich lernte, wie man andere Leute in die Gruppe indoktriniert. In der ICC wird man gelehrt, daß es keine anderen Kirchen gibt, die das christliche Leben wirklich ausleben. Wenn ich mit jemandem die Bibel studierte, würde ich zuerst darauf abzielen, ihm zu zeigen, daß er kein echter Jünger Christi ist. Dies wurde oft mit Hilfe der Beichte dieser Person gemacht. Alle Sünden konnten genutzt werden, um jemanden zu überzeugen, daß er die Rettung verwirkt hatte. Dann würden die Lehren über die Taufe, die einzigartig für die ICC sind, das ganze abschließen. Kip lehrt, daß man ein Jünger sein muß, bevor man getauft wird. Die Definition von "Jünger", wie es von der ICC definiert wird, wird ausgelegt anhand einzelner Schriftstellen, die sich auf Hingabe und Selbstverleugnung konzentrieren. Natürlich könnte jeder sich mehr hingeben, und jeder könnte sich selbst mehr verleugnen, damit war dies nicht schwierig zu beweisen. In meinen 13 Jahren gab es nur wenige Fälle, daß ich ein potentielles Mitglied nicht überzeugen konnte, daß sie zur Hölle verdammt waren, wenn sie nicht unserer Gruppe beitraten. Manchmal war die Hingabe zu extrem, und sie verließen uns bevor sie beitraten, aber dies verstärkte nur das Elitegefühl unserer Gruppe.
In der ICC wird jedem ein erfahrener oder reiferer Partner zugeteilt, um einem in seinem Wachstum als Christ zu helfen. Obwohl das Ziel davon gut sein könnte, wird es mehr eine Befehlskette und ein Informantenring als ein ausgewogenes Mentorenprogramm. Dies passiert aus meiner Sicht, weil der Person Autorität über einen gegeben wird. Diese in gute Absichten verschleierte Autorität gibt unglaubliche Kontrollmöglicheiten für diese Person einem gegenüber. Sie werden als spiritueller als einer selbst aufgesetzt, und dies unterstützt die Idee der Unterwerfung, um zu wachsen oder zu lernen. Wenn man gegen den eigenen Jüngerschaftspartner rebelliert, ist man unspirituell, weil eine spirituelle Person ein unterwürfiger "Lerner" wäre. Es wird erwartet, daß "man Rat holt", bevor man viele Entscheidungen trifft. Zum Beispiel, wenn man einen Urlaub plant, wird erwartet, daß man dies mit seinem Jüngerschaftspartner abspricht. Wenn man dies nicht macht, wird man gezüchtigt oder als "unabhängig" bezeichnet. Partnerschaftsdruck oder öffentliche Erniedrigung wird in unscheinbarer, aber wirksamer Weise benutzt. Zum Beispiel, wenn jemand keinen Rat einholt, und trotzdem in Urlaub fährt, wird am nächsten Sonntag der Prediger etwas sagen wie "Und einige von uns hier denken, wir wüssten am besten, daß wir keinen Rat in unserem Leben brauchen, wir stehen einfach auf und gehen wann auch immer wir wollen, ohne uns um den Körper zu kümmern." Dies hat natürlich einen kalten Effekt auf die ganze Gruppe, weil keiner als unspirituell angesehen werden möchte.
Ein anderes mal kann der Missbrauch viel deutlicher sein. Wenn jemand nicht unterwürfig ist, oder Meinungsverschiedenheiten mit den Leitern hat, kann er sich in einem "Beratungsgespräch" mit 2 oder mehreren Leitern wiederfinden, dessen einziges Ziel ist, zum Boden des Widerstandes zu kommen. Zur Erinnerung, sie haben bereits sehr viele Informationen über die Sünden und Schwächen des einzelnen, und sie werden dies nutzen, um den Geist in einen mehr unterwürfigen und "zerbrochenen" Geist aufzubrechen. Diese Gespräche werden manchmal als "breaking sessions" von Kritikern bezeichnet, auch wenn Al Baird, der Kirchenältere, ihre Existenz ablehnt. Diese Gespräche können aus meiner Sicht den Geist eines einzelnen verwüsten. Diese sind nicht die Gelegenheit, um die "Wahrheit" zu entdecken. Die "Wahrheit" wird von den Verantwortlichen bereits als bekannt angenommen, und das Ziel des Gespräches ist, daß jemand ihre "Wahrheit" erkennt, natürlich alles nur für das eigene geistige Wohl. Die Vergangenheit kann und wird als Hebelwerk gegen einen eingesetzt werden.
In Ehe-Beratungsgesprächen kann der eigene Partner gegen einen Partei ergreifen, und private Gespräche oder Gedanken verraten. In der ICC wird nichts als privat angesehen, und auch in der intimsten Beziehung, der Ehe, ist alles für die Kontrolle offen. Ich habe von Fällen gehört, wo die Frau den Jüngerschaftspartner ihres Mannes anrief, um ihm zu sagen, daß ihr Mann Zweifel an der Kirche hat, oder kritische Webseiten oder Bücher liest. Dies kann das geheiligte Vertrauen der "die zwei, die eins sein werden" brechen. Zur Erinnerung, wenn man durch diese Gespräche geht, wird man als der "weniger spirituelle" der Beteiligten angesehen. Ich erinnere mich an ein Treffen mit Al Baird über einige Sorgen, die ich mit der Kirche hatte, welches begann mit einem etwas irritierten Al, der sagte "Es tut mir leid, daß es zu dies(em Punkt) kommen mußte".
Nicht: "Ich schätze Deine Sorgen betreffs der Gesundheit der Kirche, ich würde gerne Deine Meinung hören".
Wenn man eine gegensetzliche Position bezieht, wird automatisch angenommen, daß man falsch liegt, oder als möglichen Aufrührer, nur weil man seine Meinung ausspricht.
Das Ziel in der Gruppe war, die Leute an der Stange zu halten, und das "Programm" oder die Agenda, die Kip aufgesetzt hat, unterstützen. Es konnte natürlich als Christ's Programm dargestellt werden, um Jünger zu machen, aber die Frage stellt sich, wessen Jünger gemacht werden. Als Flavil Yeakley die Kirche in Boston studierte, entdeckte er, daß das Jüngerschaftssystem, wie es in der ICC (Boston Church zu der Zeit) ausgeübt wurde, eine ungesunde Tendenz von Konformität zur Gruppennorm produzierte, was natürlich damit endete, so zu sein wie Kip. Hierzu siehe Flavil Yeakleys -The Discipling Dilemma
Wenn man eine gegensetzliche Position bezieht, wird automatisch angenommen, daß man falsch liegt, oder als möglichen Aufrührer, nur weil man seine Meinung ausspricht.
Die Kirche zu verlassen ist aus einer Reihe von Gründen sehr schwierig. Nummer eins ist, daß aus der Sicht eines Mitglieds man Gott verlässt, und damit die Rettung verliert, wie Kip sagt:
Und dann gehen sie [Leute, die die Kirche verlassen], und sie sagen, "Ich verlasse nur die Internationalen Gemeinden Christi, ich verlasse nicht Gott." Lasst mich euch sagen: Wenn ihr Gottes Kirche verlasst, so verlasst ihr Gott.
Kip McKean (World Missions Evangelist), The Kingdom of God, Jubilee 2000: Even Greater Things, Kingdom News Network (KNN), January 2001, Vol. 2, Los Angeles, (videotaped November 11, 2000).
Dies allein übt schon einen ziemlichen Druck auf jemanden aus, der über den Austritt nachdenkt. Man muß alles überwinden, was sie einen über Gottes Erwartungen und ob man die ICC verlassen kann, und dennoch ein Christ sein kann, gelehrt haben.
Das zweite Problem ist, die Freunde zu verlieren. Aufgrund der Uniformität in der Gruppe ist die Gruppe sehr eng verbunden. Man hat Freunde, die besser zu sein scheinen als alles, was man außerhalb der Gruppe haben könnte. Die Falschheit ist, daß diese "Freunde" nicht mehr Freunde sein werden, wenn man die Gruppe verlässt, insbesondere, wenn man etwas Negatives über die Gruppe sagt, oder die Gruppe in Frage stellt.
Das dritte Problem sind die Phobien, die bezüglich des Austritts in einen eingepflanzt sind. Es wird einem gesagt, daß wenn man austritt, man geschieden wird, man immoral wird, man Drogen nehmen oder die eigenen Kinder mißbrauchen wird. Man wird die Sehnsucht verlieren, spirituell zu sein, und natürlich wird man zur Hölle gehen. Diese Furcht mag irrational scheinen, aber sie ist ganz normal, und sie zeigt eindeutig, daß Gedankenkontroll- Phobien existieren.
Im April 1999 wurde ich von meinem Regionsleiter (regional leader) ausgewählt, einen Brief mit drei Sachen zu schreiben, die in der Kirche verbessert oder geändert werden könnten. Dies wurde von der obersten Führung der ICC für alle Regionen der L.A.-Church angeregt. Ich freute mich über diese Gelegenheit, grub tief, und schrieb meinen Brief an Al Baird ( April 1999 Letter to Al ). Nachdem ich diesen Brief geschrieben hatte, öffneten sich die Tore zum kritischen Denken, und ich begann, mehr zu denken, zu lesen und schreiben. Kurz vor einem Treffen mit Al schrieb ich dann einen zweiten Brief an Al ( Letter #2 to Al ). Ein Treffen wurde vereinbart, um über einige von meinen Sorgen zu reden, bei diesem treffen waren vier weitere dabei, zwei davon Evangelisten. Dieses Treffen machte es für mich eindeutig, daß es genug Widerstand gab, über meine Sorgen zu reden (dies war die Befürchtung von vielen Mitgliedern). Im März 2000 hatte ich ein weiteres Treffen mit Al. Ich hatte den Eindruck, daß er zuhörte, aber offensichtlich würde er nicht mit irgendeiner Dringlichkeit handeln. Der Grund dafür ist, wie ich später entdeckte, daß die Story, daß Al irgendwie Kip disciplen würde, schlichtweg nicht wahr ist. Kip hat die alleinige Macht in der ICC. Auch wenn Al etwas Einfluß haben könnte, er hat keine Autorität über Kip. Es war für mich klar, daß die ICC von einem Mann geleitet wird, ein unbiblischer und gefährlicher Führungsstil. Kip muß niemandem inner- oder außerhalb der Gruppe gegenüber Rechenschaft ablegen. Niemand kann ihn absetzen, aber er kann jeden von seinen Untergebenen absetzen. Da dies alles stimmt, entschied ich mich, mich nicht mit Kip zu treffen.
Wärend ich den Mut nährte, meine Eindrücke und Zweifel zu untersuchen und analysieren, wurden meine inneren Augen geöffnet, und schlossen nie mehr. Ich ging zum Buchladen, und kaufte mein erstes Buch über Sekten, un ich muß sagen, es schockte mich. Ich sah, daß die ICC nicht einzigartig war, und meine Gefühle ganz normal waren für jemanden in einer totalitären Sekte. Als ich anfing, andere Kirchen zu untersuchen, fand ich viele Beispiele für hingebungsvolle Christen außerhalb der ICC. Ich hatte wenig Erfahrung mit auf der Bibel basierenden Kirchen, da ich an der Ostküste aufwuchs, und unregelmäßig mehr traditionelle Kirchen besuchte. Ich kannte die Bibel nicht, und akzeptierte bereitwillig die Lehre der Gruppe, daß die religiöse Welt "nicht hingebungsvoll", "tot", "entzweit" ist. In der Gruppe waren wir dabei, "die wahre Christenheit zu restaurieren", "Jünger zu machen", "die Welt zu evangelisieren".
Ich lernte über Gedankenkontrolle, und daß es viele Gruppen gab, die viele Ansprüche mit der ICC teilten. Ich sah offen die Lügen und Manipulation. Ich sah die falschen und unvollendeten Versprechen. Ich sah den Egoismus, Stolz und die Arroganz von vielen Leitern, insbesondere Kip. Ich realisierte, daß viele der langjährigen Leiter, zu denen ich aufsah, in vielen Fällen ein Leben der Selbstverleugnung führten, aufgrund der Falle, in der sie sich gefangen fanden. Ich entschied, daß ich die Gruppe verlassen mußte, um Gott mit einem reinen Gewissen zu dienen. Ich schrieb einen Abschiedsbrief (leaving letter) ,in dem ich erklärte, warum ich gehen und auf meine eigene Reise mit Gott aufbrechen mußte, frei von der Kontrolle, Manipulation und Täuschung, in denen ich mich so verfangen gefunden hatte.
Zum Abschluß
möchte ich alle Mitglieder, die dies gelesen haben auffordern, die Informationen über Gedankenkontrolle zu untersuchen. Redet mit einem gelehrten Geistlichen über die Lehren der Kirche. Fragt Fragen, und laßt euer kritisches Denken nicht unterdrücken, denn es ist ein Geschenk Gottes an uns alle.
Ich bin dankbar für alle, die mir bis zu diesem Punkt geholfen haben, die Kirche zu verlassen, und eine neue Reise mit Gott zu beginnen, eine Reise, die Gott und ich teilen. Insbesondere Dank an Art und Lynn Ryter, Steven Hassan, Don Veinot, Ron Enroth, Larry und Virginia Keene von der Church of the Valley, den Ziemers, und natürlich meiner unglaublichen Frau, die mir genug vertraute, um zu lesen, denken und beten während unserer Verwicklung, und mit mir die Kirche zu verlassen.
Hilfreiche Bücher und Webseiten:
Combatting Cult Mind Control and Releasing the Bonds by Steven Hassan
Cults in our Midst by Margaret Singer
Churches that Abuse by Ron Enroth
Healing Spiritual Abuse by Ken Blue
Captive Hearts, Captive Minds by M Tobias and J Lalich
Web Sites
übersetzt 2001 Ingo.Zoller@gmx.net
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